Konzept

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Familie und Vaterschaft – ein erprobtes und belastbares Konstrukt?

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr (…). Wilhelm Busch hat im 19. Jhd in einem kleinen Gedicht von Männern berichtet, die sich mit Vaterschaft schwer tun. Bei Ihm sind es Väter, die sich mit festen Bindungen und Verantwortung schwer tun. Dieser Aspekt ist vermutlich damals wie heute ein Thema, dass mit der Persönlichkeitsstruktur von Menschen zusammenhängt und (möglicherweise zunehmend) auch in Zukunft ein problematisches Thema bleiben wird.

Daneben gibt es Väter, die versuchen Vaterschaft aktiv und aufgeschlossen zu leben. Väter sind in der Öffentlichkeit sichtbarer geworden. Im Alltagsleben, in der Werbung und den Massenmedien. Väter berichten in Talk-Shows, Kolumnen oder Blogs über die verschiedensten Aspekte ihres Vater-Erlebens. Ein Hinweis darauf, dass Reden über die Vaterrolle normaler geworden ist, dass aber gleichzeitig die Unsicherheiten um die Vaterrolle an die Öffentlichkeit „weitergereicht“ werden (vgl. Mühling, S. 28).

Die Rolle der Frau und die Form der Familie haben sich in kurzer Zeit grundlegend verändert, so dass die heutige Vätergeneration in der Rückbesinnung auf ihre eigenen Väter kaum Parallelen ziehen kann oder zumindest stark verunsichert sein muss, da ein Modell im Hinblick auf „zeitgemäße“ väterlichen Rollen und Funktionen nicht zur Verfügung steht (vgl. Mühling, S. 29).

Durch den Verlust der reinen Ernährerrolle, sowie klare Verhaltensanforderungen, Privilegien, Entscheidungsbefugnissen und Rechten (vgl. Bereswill, S. 102), sowie die mangelnde Akzeptanz klassischer Rollenstereotype, können Väter Ihre Abwesenheit in Familien und dem Erziehungsgeschehen nicht weiter rechtfertigen. Der Zugewinn von neuen Handlungsräumen und Möglichkeiten fordert heutige Väter zum gestaltenden Akteur von Veränderung heraus (vgl. Bereswill, S. 102). Allerdings trifft die neue Ausgangssituation in großen Teilen aufgrund mangelnder Traditionen auf ein Vakuum und generiert den „Ambivalenten Vater“, der noch kein selbstbestimmtes Modell von Vaterschaft und Männlichkeit ausbilden und leben konnte. Mitunter erleben ambivalente Väter die gegenwärtige Ausgangssituation als Krise, deren individuelle Dimension sich in der Verunsicherung der eigenen Identität als Vater und in Autonomiekonflikten ausdrückt (vgl. Bereswill, S. 103). Möglicherweise lohnt ein Rückblick auf Gesellschaft, Kultur und Religion um auf den gesellschaftlichen Wandel Antworten oder sogar Lösungen zu finden.

Die folgende Arbeit möchte einen kritischen kulturgeschichtlichen Rückblick vornehmen und dabei die Möglichkeiten ausloten auf dieser Basis Ausblicke identifizieren zu können.

 

Das Konzept

Die Fotografien entstanden 2014 in einem Fotostudio vor schwarzem Hintergrund. Die Arbeiten entstanden mit einer digitalen Kamera mit Selbstauslösefunktion und sind nicht manipuliert oder mit Bildbearbeitungsmöglichkeiten dahingehend verändert worden, als dass Sie etwas zeigen oder vorgeben, was nicht im Moment der Aufnahme stattgefunden hat.

Die abgebildeten Objekte sind einfache Haushaltsgegenstände aus dem Haushalt von Andreas Bohnenstengel oder auf Flohmärkten und in Sozialkaufhäusern beschafft worden.

Zielsetzung der Arbeit ist es, die Themen Vaterbilder, Männlichkeit und Kindheit in Zusammenhang von kulturellen Phänomenen und Mythen umfangreich zu reflektieren und möglicherweise zu erweitern.

Literaturverzeichnis

  • Bereswill, M., Scheiwe, K., Wolde, A. (2006): Vaterschaft im Wandel: Multidisziplinäre Analysen und Perspektiven aus geschlechtertheoretischer Sicht, Weinheim
  • Birnstein, U. (2013): Väter in der Bibel: 20 Porträts für unsere Zeit, Freiburg
  • Matzner, M. (1998): Vaterschaft heute: Klischees und soziale Wirklichkeit, Frankfurt
  • Mühling, T., Rost H. (2007): Väter im Blickpunkt – Perspektiven der Familienforschung, Opladen
  • Nelles, H.-G.: Der Väter Blog – Lebe deinen Traum: http://vaeter-und-karriere.de/blog/
  • Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.), (2013): Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken, München
  • Rerrich, M. (1988): FrauenMännerBilder: Männer und Männlichkeit in der feministischen Diskussion, Bielefeld